Depression
- Christinalou
- 24. Sept. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Nov. 2022
Diese Zeilen gehören ganz dir
Du bist für mich Resignation
Nicht mehr schreien
Nur noch schlucken
Nichts mehr sagen
Nur noch nicken
Noch schreie ich
Schreie mich selbst an wie ich so etwas über mich sagen kann
Über die Tochter meiner Mama
Über das kleine geschwist meiner Lieblingsschwester
Über die Geliebte meines wichtigsten Menschens
Sagen kann, es wäre besser ohne sie
Alle wären glücklicher ohne sie
Es wäre einfacher ohne sie
"Was für ein Blödsinn" schreit eine Seite
"vielleicht hat sie recht" flüstert eine Andere
Ich höre ihr zu…leider zu oft in letzter Zeit
Ich weiß noch meine Mutter meinte einst, sie hat sich begonnen Sorgen zu machen als ich aufgehört habe mit ihr zu streiten
Keinen Widerstand mehr geleistet habe
Aufgegeben habe
Ruhig geworden bin
Da hatte ich abgeschlossen
Abgeschlossen mit mir
Meinem gescheiterten Selbstprojekt mich selbst zu lieben oder auch nur akzeptieren
Und jetzt rede ich groß, wie großartig ich doch sei und wie normal und okay es ist nicht klar zu kommen
Dabei schäme ich mich sehr häufig
Ich schäme mich, wenn mich mein Partner zuhause weinend auffindet
Ich keine Energie mehr für geliebte Menschen habe
Weniger zuhören kann
Aufgeben möchte
In mir ist es manchmal so laut
ich höre sie dann kaum, diese Außenwelt
Depression ist für mich, stilles Weinen, ohne, dass sich dein Herz mehr verkrampft
So tut es weniger weh
Schmerz über dich fließen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken
Schlucken
Gibt keinen Grund mehr zu schreien
Keine Energie
"Depression bei Fuß, wie'n Hund bei der Jagd" Caspers Zeilen treffen
Mal mehr, mal weniger
Und dann bin ich wieder gut drauf, lese diese Worte und schäme mich für mein Jammern...
Ein Freund schrieb mir neulich "bitte denk nie mehr daran dich vor einen Zug zu werfen"
Das hat weh getan, ich will nicht, dass sich Menschen Sorgen machen
Ich würde es dir gerne versprechen
Ich würde es gerne dem kleinen Mädchen von damals versprechen
Ich hab ihr doch geschworen auf sie aufzupassen
Und jetzt verkriech ich mich wieder hinter meinen Ärmeln und hoffe keiner bemerkt mich...
Manchmal verstecke ich mich auch, wenn ich Angst habe, dass mein Schreien zu laut war
Angst vor der Reaktion
Vor der Zurückweisung
Der Zurechtweisung
Dann werde ich stumm und entschuldige mich
Entschuldige mich für meine Stimme, meine Anwesenheit, meine Existenz
Ich bin schon weg
Hab nichts gesagt
Es tut mir leid
Ich versuche normalerweise meine eigene Negativität in etwas Produktives zu wandeln
Aber gerade habe ich keine hilfreichen Tipps, keine klugen Sätze und kein aufbauendes Ende
Negative Gefühle dürfen genauso sein wie Positive
Und ja, für manche wirkt dieser Blog sicher wie first world problems, wie unnötiges Rumgeheule
Ich zwinge niemanden das zu lesen
Alle Gefühle sind okay und dürfen sein, die Wertung gibt ihnen nur die Gesellschaft
So oder so ist Depression keine ausgedachte Nörgelei
Sondern eine ernstzunehmende Krankheit die jede:n treffen kann
Und Leben verschlingt
Da kann ich fünfmal die Woche Yoga machen und mir positive Sätze auf die Stirn tätowieren bis ich Regenbögen kotze
Ich bleib schon draußen, keine Sorge
Ich weiß, dass man psychische Erkrankungen nicht von außen betrachtet erkennt, wie ein gebrochenes Bein.
Darum mein Vorschlag: grundsätzlich nett zu allen sein, Rücksicht nehmen, zuhören, für einander da sein, sich in den anderen hinein versetzen und Liebe schenken ❤️
Danke
Nachreich: fehlt dir auch schon länger Energie, Lebensfreude oder Zuversicht für die Zukunft? Dann such dir bitte Hilfe!
Oder würdest du bei einem gebrochenen Bein warten bis es von selbst heilt, während du es normal weiter nutz? Wohl kaum...
Hier ein paar Anlaufstellen: Telefonseelsorge - Notrufnummer 142
bestHELP - Suchplattform
RataufDraht - Telefon-Beratungsstelle 147
NachbarschaftsBeratung - Anonyme, kostenlose Beratung in der Nachbarschaft
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